Myofasziales Schmerzsyndrom
Quelle: Ärzliches Journal Orthopädie 5-2006
Wo gefunden: Dr.med. B. Schoser, Friedrich Bauer Institut München

Neben Erkrankungen des zentralen Nervensystems, Bandscheibenschäden mit sekundärer Spannungserhöhung der Muskeln, oder selten erbliche Erkrankungen der Muskulatur ist häufig das myofasziale Schmerzsyndrom Ursache von Muskelschmerzen. Klinisch und diagnostisch hinweisend sind sogenannte Triggerpunkte in einem Muskelfaserbündel, die zu einem lokalen und fortgeleiteten Muskelschmerz führen. Nachweisen kann man Triggerpunkte elektronenmikroskopisch und elektromyographisch durch einen Anstieg der elektrischen Aktivität. Muskelüberlastung führt lokal zu Mikrotraumen in einem Muskelfaserbündel (Triggerpunkt) und segmentaler Überkontraktion eines Faserbündels (taut band). Der lokale Blutfluss ist reduziert, es resultiert ein Sauerstoffmangel und Gewebeübersäuerung. Zusätzlich werden entzündungsfördernde Faktoren freigesetzt. Durch eine chronische Erhöhung von Überträgerstoffen (Azetylcholin) kommt es zu einer Dauerentladung der Muskelzelle und einen gestörten Stickoxid-Calciumhaushalt. Die Folge sind permanente Faserkontraktionen mit Verkürzungen und sogenannten Kontraktionsknoten. Daraus ergibt sich die Therapiestrategie: Verbessern der Durchblutung, Beseitigung der verkürzten Strukturen. Medikamentös stehen uns Muskelrelaxantien zur Verfügung, lokal Anwendung von physikalischen Maßnahmen. Bei chronifizierten Muskeltonuserhöhungen kann ggf. die Anwendung von Stoßwellentherapie, Botulinumtoxin oder eine lokale Nervenblockade hilfreich sein. Grundlage der Rezidivprophylaxe ist aber die kontinuierliche Körperaktivität und gezielte Muskeldehnungsübungen. Durch multimodale Konzepte - ggf. unter Einbeziehung psychosomatischer und verhaltenstherapeutischer Behandlungsoptionen - wirken die Schmerzgedächtnissensibilisierung entgegen, führen zu einer Schmerzreduktion und verbessern die Lebensqualität bei Patienten mit chronischen myofaszialen Schmerzen.